Stangenarbeit Teil 1 - Grundlagen

Wer das Stichwort Stangenarbeit hört, denkt im ersten Moment  vielleicht an das Springreiten. Jedoch genauer betrachtet, ist das Reiten über Stangen für alle Pferde und Reitweisen eine willkommene Abwechslung. Deshalb möchte ich mit diesem Beitrag eine kleine Serie zum Thema starten, in der ich euch regelmässig Übungen zum Nachreiten vorstellen werde. Denn Stangenarbeit bedeutet nicht bloss von beiden Seiten über drei Stangen zu traben, sondern es gibt zig mögliche Varianten mit einigen Stangen verschiedenste Übungen für alle Gangarten zu kreieren. Der Phantasie ist dabei kaum eine Grenze gesetzt! Trotzdem müssen bei der Arbeit mit den Bodenstangen einige Faktoren beachtet werden:

 

Der Ausbildungsstand

Sowohl der Ausbildungsstand vom Pferd als auch derjenige vom Reiter müssen bei der Planung einer Stangenarbeits-Lektion  beachtet werden. Zwar können auch junge Pferde und unroutinierte Reiter bei der Stangenarbeit dabei sein und davon profitieren,  die Anforderungen müssen aber dem Ausbildungsstand angepasst werden. So sollten zum Beispiel enge Wendungen und sehr schnelle Abfolgen der Übungen bei Jungpferden vermieden werden. Fast alle Übungen können in allen Gangarten geritten werden,  je nach Schwierigkeitsgrad sollte aber der Galopp den routinierten Paaren vorbehalten bleiben.

Auch auf die Kondition der Pferde muss Rücksicht genommen werden, denn auch wenn es einfach aussieht, Stangenarbeit ist am Anfang vor allem geistig aber auch körperlich sehr anstrengend.

 

Die Abstände

Die Abstände zwischen den Stangen werden in erster Linie natürlich von der Gangart bestimmt. Allerdings spielen auch die Grösse des Pferdes, die Radien der Wendungen und nicht zuletzt das Ziel der Arbeit eine wichtige Rolle.

Hat man eine Hilfsperson zur Seite macht es Sinn die Übungen zuerst im Schritt, danach im Trab und gegebenenfalls zuletzt noch im Galopp zu reiten, dann mit den jeweils passenden Abständen zwischen den Stangen. Ist man alleine und möchte nicht immer wieder absteigen, dann können die Abstände passend für den Galopp gelegt werden, denn so passen sie auch im Schritt und Trab.

Für ein durchschnittliches Warmblutpferd sollten die Stangen folgende Abstände haben:

Schritt: 80-90 cm

Trab: 120-130 cm

Galopp: 270-330 cm

Je nach Grösse des Pferdes und der Art der Übungen können die Abstände entsprechend angepasst werden, bei mehreren Paaren gleichzeitig wähle ich die Durchschnittsweite, das trainiert die Flexibilität der Pferde.

 

Die Infrastruktur

Leider hat nicht jeder Reiter einen Platz oder eine Halle mit Maximalabmessungen und einer Menge Stangenmaterial zur Verfügung. Da müssen Kompromisse eingegangen werden. In einer kleinen Halle können vielleicht nicht alle Übungen mit Wendungen so geritten werden wie auf einem grossen Platz. Und wer nur wenig Stangenmaterial hat muss sich anderweitig zu Helfen wissen, z.B. können auch Dualgassen oder alte Plastikrohre (am besten gefüllt mit Kies oder Sand, damit sie nicht bei jeder Berührung wegrollen) verwendet werden.

Wenn nun alle diese Faktoren überdacht und beachtet wurden kann mit der Stangenarbeit begonnen werden. Eine kleine, zum Aufbauen sehr einfache Übung die ich gerne zum Aufwärmen und Lösen der Pferde nutze, möchte ich euch nun in diesem ersten Teil der Serie vorstellen:

 

Weit und Eng

Für diese kleine Übung werden lediglich 6-8 Stangen benötigt. Diese werden auf einer grossen (mindestens 20 Meter) aufgeteilt,  3-4 Stück auf der einen Seite der Volte und der Rest auf der Gegenseite. Die Abstände werden nun bei den einen Stangen auf die minimale und bei den anderen auf die maximale Weite für die jeweilige Gangart eingemessen. Natürlich kommt es hier auf das Gangmass des Pferdes an, aber für den Schritt wähle ich jeweils ca. 70 und 100 cm, für den Trab 100 und 150 cm und für den Galopp 250 und 350 cm.

Wahlweise kann die Übung auch auf der Gerade geritten werden, dazu einfach die  Stangen auf Höhe der Eckbuchstaben (K & H / M & F oder beides) hinlegen.

 

Nun wünsche ich viel Spass beim Ausprobieren, weitere Übungen folgen bald!

 

Foto: Lisa Rädlein, cavallo.de
Foto: Lisa Rädlein, cavallo.de

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